Das Zürcher Unterland steht vor tiefgreifenden Veränderungen – das Rafzerfeld mittendrin. Beat Hauser, GLP-Kantonsrat und langjähriger politischer Beobachter der Region, sieht gleich mehrere Baustellen: Verkehrsengpässe, Deponiepläne, Serviceabbau und wachsender Nutzungsdruck auf Boden und Infrastruktur. Seine Einschätzungen in den Schaffhauser Nachrichten werfen ein Schlaglicht auf die politischen Brennpunkte im Norden des Kantons Zürich.
Einer dieser Brennpunkte ist die Umfahrung Eglisau. Mitte Dezember hatte der Regierungsrat bekannt gegeben, dass die Kosten für das Projekt auf 580 Millionen Franken steigen – beinahe doppelt so viel wie ursprünglich angenommen. Laut einem Interview in den Schaffhauser Nachrichten beurteilt Hauser die Kostenentwicklung als nicht unerwartet. Die Preissteigerungen im Tiefbau und die inzwischen verfeinerte Linienführung würden die neue Schätzung erklären. Ob der Kantonsrat jedoch bereit ist, den entsprechenden Objektkredit zu sprechen, lässt Hauser offen. Die Zeitung hält fest: Kommt der Kredit nicht, wäre das Projekt in seiner bisherigen Form kaum noch zu halten.
Zugleich weist Hauser auf die zunehmende Belastung der bestehenden Verkehrsachsen hin. Die Verkehrsfrequenzen zwischen 6 und 19 Uhr zählen laut seinen Aussagen zu den höchsten im ganzen Kanton. Mit der Öffnung des Hardwalds sei künftig mit mehr Verkehr aus dem grenznahen Raum zu rechnen – auch von Handwerkern, die bisher Staus mieden. Der potenzielle Zuzug eines grossen Unternehmens wie Digitec Galaxus könnte die Situation zusätzlich verschärfen.
Auch bei der Deponieplanung spricht Hauser gegenüber den Schaffhauser Nachrichten von einer angespannten Lage. Die Rückstufung der geplanten Deponie «Bleiki» in Rafz hält er für nachvollziehbar. Im Zusammenspiel mit dem Ausbau der Deponie Schwanental in Eglisau, dem Atommüllprojekt in Stadel und dem ökologisch sensiblen Raum am Unterrhein sei der Standort Rafz derzeit nicht tragbar. Sorgen bereitet ihm allerdings der Import von Abfällen aus anderen Kantonen, der bestehende Deponien schneller an ihre Kapazitätsgrenzen bringe – wie beim Standort Häuli in Lufingen.
Ebenfalls im Umbruch befindet sich die Postversorgung. Nach der Schliessung der Filiale in Feuerthalen stellt sich auch im Rafzerfeld die Frage nach zukunftsfähigen Modellen. Hauser bringt Lösungen wie Poststellen in Läden, Paketstationen an zentralen Orten oder barrierefreie Abholstellen ins Spiel. Entscheidend sei, dass die Grundversorgung erhalten bleibe – auch mit Blick auf die demografische Entwicklung.
Auf kantonaler Ebene konnte Hauser 2025 einen politischen Erfolg verzeichnen: Ein Postulat zur Förderung von Kleinwindkraftanlagen in Landwirtschafts- und Industriegebieten wurde im Zürcher Kantonsrat mit breiter Mehrheit angenommen. Hauser setzt auf vereinfachte Bewilligungsverfahren als Anreiz für eine stärkere lokale Stromproduktion – ohne Subventionen, aber mit weniger Bürokratie.
Deutlich kritischer fällt seine Bilanz im Bereich Wohnraumpolitik aus. Die aktuellen Debatten über günstigen Wohnraum empfindet er als unausgereift – vor allem, weil zentrale Akteure wie Zürich und Winterthur ihre eigenen Hausaufgaben nicht machten. Hauser plädiert für rechtssichere Verfahren, klare Zonenordnungen, gestraffte Bewilligungen und eine Reduktion der Planungskosten – insbesondere für den gemeinnützigen Wohnungsbau.
Für das Jahr 2026 kündigt Hauser in den Schaffhauser Nachrichten unter anderem ein Postulat zur IT-Steuerung im Kanton Zürich an. Ziel sei mehr Transparenz bei Projektbudgets und Priorisierungen – nach Vorbild des Kantons Bern. Im Fokus bleiben für ihn aber die regionalen Brennpunkte: Verkehr, Deponien, Industriebauten und Wohnraum im Zürcher Unterland.