Ein Kunstrasenplatz, neue Garderoben, Licht für Abendspiele – und das Ganze für über sechs Millionen Franken: Der FC Rafzerfeld will seine veraltete Infrastruktur in Hüntwangen durch eine zeitgemässe Sportanlage ersetzen. Ein Projekt, das Bewegung in die Region bringen soll. Doch politisch ist die Lage angespannt.
Im Herbst 2025 wurden in den fünf Trägergemeinden – Eglisau, Rafz, Wil ZH, Hüntwangen und Wasterkingen – Einzelinitiativen eingereicht, mit dem Ziel, die öffentliche Finanzierung zu sichern. Alle fünf Gemeinden haben die eingereichten Initiativen inzwischen als gültig erklärt. Gleichzeitig haben sie aber auch signalisiert, dass sie das Vorhaben in dieser Form nicht unterstützen. Stattdessen prüfen sie Gegenvorschläge.
Veraltete Infrastruktur, steigende Nachfrage
Die Notwendigkeit für Verbesserungen ist unbestritten. Der 2003 gegründete FC Rafzerfeld zählt rund 450 aktive Mitglieder, darunter über 100 Juniorinnen. Die bestehenden Sportplätze sind teilweise über Monate unbespielbar, professionelle Drainagen fehlen, und es gibt zu wenig Umkleideräume – vor allem im wachsenden Frauen- und Mädchenfussball.
Weil die Nachfrage das Angebot übersteigt, stehen zeitweise über 100 Kinder und Jugendliche auf Wartelisten. Hinzu kommen weitere Sportarten wie Flag Football, der Schulsport oder Breitensportgruppen, die auf moderne Anlagen angewiesen wären. Die Region wächst, und mit ihr der Druck auf die Infrastruktur.
Ein Projekt mit Ambitionen – und Kosten
Geplant ist der komplette Umbau der Sportanlage in Hüntwangen. Anstelle des Hauptfelds soll ein Kunstrasenplatz entstehen, dazu zwei kleinere Trainingsfelder. Der bestehende Naturrasenplatz «Eichen» soll saniert und mit Beleuchtung ausgestattet werden. Ein neues Clubhaus mit acht Garderoben und funktionaler Infrastruktur ist ebenfalls Teil des Bauprojekts.
Die Gesamtkosten belaufen sich laut aktueller Planung auf 6,313 Millionen Franken. Die Trägergemeinden sollen sich mit insgesamt 4,693 Millionen Franken beteiligen, aufgeteilt nach Einwohnerzahl. Für die Gemeinde Rafz würde das beispielsweise einen Investitionsbeitrag von 1,643 Millionen Franken bedeuten. Die restliche Finanzierung soll durch Vereinsmittel, Spenden und Drittmittel erfolgen.
Gemeinden auf Distanz – Bevölkerung am Zug
Trotz mehrjähriger Gespräche zwischen dem Verein und den Gemeinden kam es zu keiner Einigung über eine gemeinsame Vorlage. Die politischen Gremien haben sich klar gegen eine Unterstützung der Einzelinitiativen ausgesprochen. Stattdessen arbeiten sie an möglichen Alternativen. Damit liegt die Entscheidung nun bei den Bürgerinnen und Bürgern.
In Eglisau findet am 14. Juni 2026 eine Urnenabstimmung statt. In Rafz, Hüntwangen, Wil ZH und Wasterkingen wird an den Gemeindeversammlungen abgestimmt – zwischen dem 15. und 18. Juni.
Zwischen Vision und Verantwortung
Der Verein sieht in dem Projekt eine Investition in die Zukunft des regionalen Sports. Kritiker hingegen warnen vor den hohen Kosten und fordern eine schlankere Lösung. Die Abstimmungen im Sommer 2026 werden zeigen, wie die Bevölkerung im Rafzerfeld über Sportförderung, Infrastruktur und finanzielle Verantwortung denkt.