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16.01.2026

Riesen Knatsch zwischen dem Zoo Zürich und Baltensperger AG aus Höri

Thomas Baltensperger (l) und Zoo-Chef Severin Dressen (r)
Thomas Baltensperger (l) und Zoo-Chef Severin Dressen (r) Bild: Baltensperger AG / pw / ZOO Zürich
Baltensperger AG und Zoo Zürich fanden keine Einigung zur Weiterverwendung der bereits produzierten Stahlbogen-Teile.

Der Konflikt zwischen dem Zoo Zürich und der Stahlbaufirma Baltensperger AG eskaliert weiter. Nachdem sich die Parteien über mehrere Wochen nicht auf eine Lösung einigen konnten, hat der Zoo die Verhandlungen nun offiziell beendet. Damit bleibt unklar, wie es mit der Stahlkonstruktion für die neue Pantanal-Voliere weitergeht, deren Bauteile zum Teil bereits produziert sind.

Streit um Bauteile und Entschädigung

Im Zentrum des Streits steht die Frage, wie die vorproduzierten Bogenträger entschädigt und verwendet werden sollen. Der Zoo hatte die Elemente ursprünglich übernehmen wollen, beurteilte jedoch den vom Unternehmen geforderten Preis als nicht angemessen. Baltensperger wiederum betont, dass der von ihnen zum Überleben notwendig geforderte Mindestpreis nicht einmal dem wirklichen dem Material- und Produktionsaufwand entsprachen. In einem internen Schreiben, welches ZU24.ch vorliegt, äussert sich die Firma Baltensperger sehr kritisch gegenüber dem Zoo Zürich. Einerseits behaupte der Zoo die ungenügende Qualität der Stahlbauteile, wolle sie aber gleichzeitig – zu einem «Spottpreis» – übernehmen – das widerspricht sich.

Zoo verteidigt seine Haltung, wollte aber nur ein Bruchteil der geforderten Summe für die Stahlteile bezahlen

Nach Angaben des Zoos wurden die angebotenen Summen in mehreren Schritten angepasst, zuletzt deutlich erhöht. Dennoch kam es zu keiner Einigung. Ein vom Zoo gesetztes Ultimatum soll, wie in vielen Presseberichten kolportiert, unbeantwortet geblieben sein. Baltensperger sagt dagenen, man habe vor Ablauf des auf Mitternacht angesetzte Ultimatum reagiert und erklärt, wieso sie auf das viel zu tiefe Angebot (es wird von einem Sechstel des Materialwerts gesprochen) nicht eingehen könne. Resultat: Die Gespräche wurden von Seiten Zoo abgebrochen. Der Zoo bedauert diesen Schritt, betont jedoch, dass aus seiner Sicht kein höheres Angebot vertretbar gewesen sei, da das Projekt vollständig aus Spendengeldern finanziert werde und eine besondere Verantwortung gegenüber den Geldgebern bestehe. Geschäftsführer Thomas Baltensperger: "Dass die Bogenträger nun zu viel höheren Kosten bei einem anderen Stahlbauer produziert und bezogen werden müssen, widerspricht einem führsorglichen Umgang mit Spendengeldern. Hier werden Gelder vernichtet.

Die Pantanal Voliere wird von einem riesigen Netz überspannt, getragen von massiven Stahlträger Bild: ZOO Zürich, Region Five Media

Vorwürfe von Baltensperter AG gegen leitenden Ingenieur

Baltensperger verweist darauf, dass die produzierten Bauteile technisch verwendbar seien und ein Ersatz durch einen neuen Unternehmer zu höheren Kosten und zeitlichen Verzögerungen führen würde. Nach Einschätzung des Unternehmens sei zudem nicht gesichert, dass ein neuer Stahlbauer die engen technischen Vorgaben kurzfristig erfüllen könne. Scharfe Vorwürfe erhebt die Baltensperger AG gegen einen leitenden Ingenieur des Zoos: Dieser habe mit unrealistischen Toleranzvorgaben, wechselnden technischen Anforderungen und mangelnder praktischer Umsetzbarkeit den Konflikt überhaupt erst ausgelöst. Hinzu kommt, so die Baltensperger AG weiter, "dass der Zoo es wiederholt abgelehnt hat, den im eigenen Organigramm vorgesehenen Prüfingenieur, Prof. Dr. M. Mensinger, mit einer vertieften Analyse zu beauftragen – obwohl Baltensperger dies mehrfach beantragt und sogar angeboten hatte, die Hälfte der Kosten zu übernehmen, sowie klar machte, dass sie sich dem Urteil von Mensiger beugen würde".

Bankgarantien verschärfen die Lage

Der Streit wird zusätzlich dadurch erschwert, dass der Zoo zuvor Bankgarantien in der Höhe von vier Millionen Franken während laufenden Vergleichsverhandlungen gezogen hat. Das Unternehmen aus Höri sieht sich seither in einer existenziell schwierigen Lage. Der Zoo weist die Verantwortung dafür zurück und argumentiert, dass der Abruf der Garantien berechtigt gewesen sei und ein Unternehmen dieser Grösse dadurch nicht in den Konkurs getrieben werden sollte.

Geschäftsführer Thomas Baltensperger und seine Firma widersprechen dem Zoo in den meisten geäusserten Punkten Bild: Baltensperger AG / pw

Auffanggesellschaft in Vorbereitung

Inzwischen arbeitet die nächste Generation der Inhaberfamilie an der Gründung einer Auffanggesellschaft. Damit sollen Know-how und zumindest ein Teil der Arbeitsplätze erhalten bleiben. Der Zoo im Versuch die Wogen etwas zu glätten meint, dies eine erfreuliche Entwicklung, da so ein Grossteil der Stellen gesichert werden könnte. Die Baltensperger AG äussert sich zu dieser Aussage dezidiert nicht. 

Neuausschreibung geplant – Auftrag geht ins Ausland?

Währenddessen bereitet der Zoo die erneute Ausschreibung der Stahlbauarbeiten vor. Gespräche mit potenziellen Umsetzungspartnern laufen. Die neu beauftragte Firma wird die Bogenträger vollständig neu produzieren müssen, da keine Einigung über die Übernahme der bestehenden Elemente zustande kam. Branchenkreise befürchten, dass der Auftrag mangels Kapazitäten in der Schweiz auch an ein ausländisches Unternehmen vergeben werden könnte.

Zeitplan bleibt offen - eigene Fehler werden  nicht eingeräumt

Ein neues Eröffnungsdatum für die Voliere gibt es derzeit nicht. Sowohl zeitlicher Rahmen als auch Kostenentwicklung hängen nun von der Wahl und den Möglichkeiten des künftigen Umsetzungspartners ab. Welche Konsequenzen der Zoo aus dieser Affaire ziehen will ist ebenfalls offen - erwartet wird eine offene Auslegung der Kosten, welche zum grossen Teil durch Spenden finanziert wird. Verantwortlichkeiten oder gar eigene Fehler werden von beiden Parteien keinerlei eingestanden. 

So soll es dereinst in der Pantanal-Voliere aussehen Bild: ZOO Zürich, Region Five Media

Geplante Pantanal-Voliere im Zoo Zürich – Überblick

Eröffnung: tba
Fläche: ca. 11'000 m²
Höhe der Voliere: 35 m

Die neue Pantanal-Voliere bildet eines der grössten Feuchtgebiete Südamerikas nach. Gäste erleben das Habitat auf Bodenwegen, über Wasserläufe und aus einem Aussichtsturm direkt im Flugraum der Vögel. Ein riesiges Netz spannt sich in grosser Höhe über die gesamte Anlage.

Die Landschaft wechselt – wie im echten Pantanal – zwischen Trocken- und Regenzeit: Ein breiter Fluss mit Wasserfall überflutet in der inszenierten Regenzeit Teile der Fläche und prägt das Erlebnis akustisch wie optisch.

Tierwelt

Die Voliere zeigt bedrohte Arten des Pantanals, darunter Sonnensittich, Goldgelbes Löwenäffchen, Flachlandtapir, Ameisenbär, Springtamarin und verschiedene Papageienarten wie Hyazintharas. Viele Tiere stammen aus europäischen Erhaltungszuchtprogrammen.

Die besonders artenreiche Vogelwelt – inklusive Flamingos und Sumpfvögel – ist ein zentrales Element der Anlage.

pw
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